Dienstag, 26. August 2014

Tomatentarte 2'14: Tarte renversée

Was bietet sich beim Zusammensitzen mit unseren Feriengästen meist besser an, als eine Tarte zu zubereiten. Nun wo sie einige Tage in Frankreich verbringen, wollen sie keine Pizza essen, sondern Frankreich auch auf den Lippen spüren. Und ein Stück Tarte bedeutet gleichzeitig ein Stück Frankreich. Das ist der Grund, wieso sich in meiner Warteliste nun die Tartes nur so stapeln (hiermit seid ihr auf Zukünftiges vorbereitet...).

Heutige Tarte: eine Tarte Tatin oder eine Tarte renversée. Das Ferrari-Prinzip bleibt sich gleich, es wird lediglich auf den Kopf gedreht. Was zur Folge hat, dass der Tarteboden - wie bei allen Artverwandten - auf diese Weise besonders knusprig gerät. Ebenso wie bei Schwester Apfel gilt es darauf zu achten, dass das Ganze nicht zu flüssig gerät und später beim Stürzen davon schwimmt. Genau daher werden die Tomaten vorher confiert - was auch dem Geschmack zuträglich ist.

Thymianhonig zählt neben Lavendelhonig zu den typischen Produkten der Drôme und die formuieren für mich zusammen mit Tannenhonig die köstlichsten ihrer Art. Will heißen: der Thymianhonig kann diese Tarte nur noch besser machen.

Ich habe zum Confieren mein Dörrgerät verwendet, praktischerweise, ohne könnt ihr die Tomaten ebenso im Ofen bei 120° für 2 Stunden *antrocknen*.
Zutaten:

Tarteteig:
200g Mehl
120g Demi-Sel-Butter
50g Ziegenfrischkäse
30g Parmesan
Salz, Pfeffer
etwas kaltes Wasser

750g Romatomaten (Eiertomaten)
2 EL Thymianhonig
1 EL Butter
1/2 Bund Thymian
Salz, Pfeffer

(50g Chantal)*
Zubereitung:

Die Zutaten für den Tarteteig zu einem homogenen verkneten, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Die Tomaten halbieren, entkernen und im Dörrautomat bei 70° 2 1/2 Stunden trocknen lassen - oder bei 110° im Backofen bei leicht geöffneter Tür für 2 Stunden.

Eine Moule à manque buttern und mit der Hälfte des Thymian bestreuen.

Das Ofengitter auf der zweiten Schien von oben einschieben und den Ofen auf 190° vorheizen.

In einer Pfanne die Butter zusammen mit dem Thymian schmelzen lassen, die andere Hälfte der Thymianblättchen einstreuen und die Tomaten mit der Schnittfläche nach unten darin 2-3min dünsten. Dann wenden, von der Flamme ziehen, salzen und pfeffern und abkühlen lassen.

Die Tomaten mit der Schnittfläche nach unten dicht an dicht auf den Boden der Moule à manque-Form setzen, dabei ringsherum einen Rand von 1-2cm lassen. Mit dem geriebenen Käse bestreuen (optional)

Den Tarteteig ausrollen und zwar ingesamt 2cm breiter als der Tarteformdurchmesser. Den Teig auf die Tomaten legen, dabei den Rand nach unten krempeln und die Teighaube mehrfach mit der Gabel einstechen.

Für etwa 30min im Ofen backen, bis die Tarte eine goldene Farbe angenommen hat. Aus dem Ofen holen, stürzen und die Tomaten, die am Boden haften geblieben sein sollten, zurück an ihren Platz setzen.

*Anmerkung m: läßt man den Chantal (geriebenen Käse) weg, dann läuft man weniger Gefahr, dass einzelne Tomaten beim Stürzen in der Form hängenbleiben werden.

Montag, 25. August 2014

Ofengeschmurgelt: Poulet rôti au vin rouge

Das Beste an Schmorgerichten? Eindeutig, dass sie völlig selbständig im Ofen vor sich hinschmurgeln, man währenddessen die Küche aufräumt und den Tisch deckt.

Auf dieses poulet brachte mich Buschi, die in ihrer Rezension das neue Buch von Rachel Khoo sehr lobte. Grund genug, ebenfalls die Probe aufs Exempel zu machen. Und vorneweg sei verraten: mit diesem Gericht schaffte es Mme Khoo nicht, sich direkt in mein Herz zu kochen. Die Karotten hätten wie die Kartoffen vorgegart gehört, damit sie nicht später entschieden zu viel Biss haben. Und auch die Kruste auf den Keulen wollte sich nach vorgegebener Garzeit nicht einfinden, sodass ich sie kurz unter den Grill schob - und ihnen eine unverschüchterte Nuance von Röstaromen versetzte.

Die Marinade fand ich gut, aber nicht extra, das Huhn saftig. Bref, ein Sommerschmorgericht, das man durchaus mal auf den Tisch bringen kann, wenn man keinen großen Küchenaufwand betreiben möchte. Mehr Rachel Khoo findet sich übrigens  hier... 

Ach, und nicht zu vergessen: ein Merci an Anette für das schöne  Tuch ;)
Zutaten:

150ml Rotwein
100g Tomatenmark
3 Zweige frischer Thymian
3 Zweige firscher Majoran
100ml Rotweinessig
1 Hähnchen (etwa 1,5kg - in 8 Teile zerlegt)
(m: 2 Keulen)
Salz, Pfeffer
500g kleine Kartoffeln, gewaschen
(m: délicatesse)
3 Zwiebeln, geschält, geviertelt
6 Möhren, geschält und der Länge nach geviertelt

Zubereitung

Am Vorabend aus dem Wein, dem Tomatenmark, dem Essig und den Kräutern eine Marinade herstellen. Die Keulen kräftig salzen und pfeffern und zusammen mit der Marinade in einen Gefrierbeutel geben und darauf achten, dass alles gut von der Marinade ummantelt wird. Den verschlossenen Beutel über Nacht in den Kühlschrank geben.

Am nächsten Tag die Kartoffeln in kaltem Wasser aufsetzen und aufkochen. Etwa 2min kochen lassen, dann abschütten (m: besser die Karotten ebenfalls in kochendem Wasser 5min vorgaren)

Die Zwiebeln, die Karotten und die Kartoffeln in einen Bräter setzen und 125ml Wasser anschütten. Den Backofen auf 200° vorheizen.

Die marinierten Hähnchenkeulen mit der Hautseite nach oben auf das Gemüse legen. Die Marinade darüber geben, mit Backpapier oder Alufolie abdecken und für 30min in den Ofen schieben. Nun die Folie entfernen, das Hähnchen mit der Bratflüssigkeit überschütten und nochmals für weitere 15min im Ofen lassen, bis die Haut knusprig wird (m: mußte den Bräter dafür kurz unter den Grill schieben).

Garprobe: Es muß klarer Saft herauslaufen, sticht man mit einem Messer in das Fleisch

Sonntag, 24. August 2014

Das Musketierbrot II: Kamut-Variante mit Vorteig

Die Kamutvariante brauchte drei Anläufe bis mir alles gefallen hat. Beim ersten Versuch wollte der Sauerteig aus Kamut-Vollkorn nicht richtig in die Gänge kommen. Zwar gab ich dann in den Hauptteig noch etwas Hefe, aber nein, die Krume disqualifizierte sich direkt beim Anschneiden.

Hier seht ihr den zweiten Versuch. Dem Kamut-Vollkorn im Sauerteigansatz habe ich etwas Weizenmehl zur Seite gestellt (siehe da, nun blusterte er am nächsten Morgen brav) und obendrein gleich noch einen Hefevorteig.

Nun ging der Teig allein beim Angucken hoch. Zwar stellte ich die Teiglinge dennoch für zwei Stunden in den Kühlschrank, dann war aber Schluß. Zu sehr waren sie in der Zwischenzeit aufgegangen und riefen nach dem Ofen. Damit ist diese Variante nicht wirklich tauglich für die kalte Gare, sondern etwas für das normale Gehen bei Zimmertemperatur. Auch dieses Mal war ich noch nicht 100% zufrieden mit der Krume - ihr fehlt natürlich die typische Festigkeit wie von retadierten Broten und ist eher flaumig. Aber der Vorteig gibt zusätzliches Aroma, so dass das Rezept dank seines Geschmacks einen Platz in meinem Musketier-Projekt erhält.
Zutaten:

Sauerteig - 12-16 Stunden bei ca. 24°:
100g Kamut-Vollkorn, feingemahlen
40g Weizen T65
140g Wasser
10g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Vorteig:
90g T65
80g Wasser
1g frische Hefe

Hauptteig:
290g Kamut-Vollkorn
150g Weizen T65
100g Kamutmehl, hell*
320ml Wasser

16g Salz
2 EL Walnussöl
50ml Wasser

Zubereitung:

Zubereitung:

Sauerteig rechtzeitig auffrischen. Den Sauerteig für das Brot am Nachmittag zuvor (m: ca. 16 Uhr) ansetzen.

Am nächsten Tag (m: ca. 8 Uhr) die erstgenannten Zutaten (Sauerteig, Emmer-Vollkorn, Emmer hell, Weizenmehl und 400g Wasser) kurz miteinander vermengen und 40min zur Autolyse stellen.

Nun die restlichen Zutaten (Salz, Öl) dazueben, das Wasser während des Knetvorgangs schlückchenweise und ca. 10-12min kneten, bis der Teig anfängt zu glänzen und die Gluten sich gut entwickelt haben (Fensterscheibentest).

In eine geölte große Schüssel geben, den Teig direkt 1 x falten und abdecken. Nun drei weitere Male falten, alle 30 Minuten. Nach 2 Stunden sollte der Teig mit der Blasenbildung begonnen haben. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche teilen und rund wirken und mit dem Schluß nach oben in vorbereitete Gärkörbchen setzen. Weitere 30min abgedeckt ruhen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten für etwa 5-7 Stunden. 

Ist währenddessen der Teigling deutlich aufgegangen, dann direkt in den vorgeheizten Ofen (nach dem Einschneiden) einschießen. Diese Entwicklung hängt immer mit den Tagestemperaturen zusammen während des Faltens. Ist der Teigling nicht deutlich sichtbar aufgegangen, dann lasse ich ihn noch etwa 40min akklimatisieren, bevor ich sie in den Ofen gebe.

Ofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen und fallend etwa 45min backen (Klopftest).

Freitag, 22. August 2014

Zettelwirtschaft: Gemüserisotto mit Mirabellen und Artischockenchips

Seit ich begonnen habe in der Küche zu stehen, zählt für mich zu den großen Entdeckungen beim Kochen frisches Obst in herzhaften Gerichten. Wieder eines dieser Themen, in denen der Habib und ich uns einig sind: Obst geht nun wirklich immer.

Im Moment bietet der Garten reife Mirabellen und die Zucchini.. na, von den Machenschaften hatten wir es gestern erst - so einfach kommt die Pflanze zum Baum. Oder umgekehrt. Wie gut, dass ich mir jede Rezept-Idee notiere, die ich unterwegs irgendwo aufschnappe (wie diese hier). Wer glaubt, solche Links werden artig in einer *Ideen-Akte* im *Rezepte-Ordner* des Computers verwahrt, der irrt gewaltig. Ich bin ein Mensch, der dem Chaos näher ist, als der Ordnung. En plus zähle ich noch zu jenen Generationen, die nicht mit all dieser Digitalisierung und Verpixelung groß geworden sind.

Das heißt, ich sitze in einem wahllos verstreuten Haufen unterschiedlicher Zettelchen jedweden Formats um den Laptop - und niemand wäre im entferntesten an die Exaktheit von Kornkreisfelder erinnert. Zettelwirtschaft vom Feinsten. Ja, selbst die Rückseite von Kassenbons eignen sich als Gedankenstütze oder um ein Rezept vom Wohnzimmer bis in die Küche zu tragen. Und um meine Handschrift flüssig zu halten - nicht, dass ich nachher zu noch *hacken* kann. In der Küche stapeln sich die Papierstücke weiter auf der Getreidemühle... bis das Gericht gekocht oder verbloggt ist. Hey, völlig ohne System bin ich schließlich auch nicht ;)
Zutaten 2P:

2 Schalotten
40 g Butter
140 g Risottoreis (m: 150g)
200 ml trockener Weißwein (m: etwas weniger)
Meersalz
500 - 600 ml Gemüsebrühe
1 Knoblauchzehe
2 Zweige Rosmarin
2 Zweige Thymian
1 Möhre (ca. 100 g)
ca. 100 g Zucchino

(m: vom Gemüse jeweils etwas mehr)
2 getrocknete Tomaten (m: vier)
50 g geriebener Parmesan


für die Mirabellen:
12 Mirabellen
je 1 Zweig Rosmarin und Thymian
100 ml trockener Weißwein
1 EL Waldhonig
Meersalz


Für die Artischockenchips
1 Artischocke
Öl zum Frittieren

(m: 3 in Öl eingelegte Artischocken
Zubereitung:

Für den Gemüserisotto die Schalotten und den Knoblauch fein würfeln. Die Butter in einem Topf schmelzen lassen und die Schalotten samt Knoblauch sowie den feingehackten Kräutern andünsten. Den Reis hinzufügen und ebenfalls kurz mitbraten. Mit dem Wein ablöschen und diesen nahezu komplett einkochen lassen.

Nun die erhitzte Brühe nach und nach angießen, so dass der Reis bedeckt ist und unter häufigem Rühren einköcheln lassen. Solange immer wieder Brühe nachschütten bis der Reis nach 25 bis 30 Minuten gar ist, aber noch Biss hat.

Für die Mirabellen die Früchte waschen, halbieren und entsteinen. Zuerst den Wein mit Honig und Kräutern in einen kleinen Topf auf die Hälfte einreduzieren. Nun die Mirabellen dazugeben und etwa 2 Minuten mitköcheln - mit Salz abschmecken (zum Servieren habe ich ohne die Mirabellen die Flüssigkeit weiter sirupartig eingekocht).

Für die Artischockenchips die Artischocke putzen und den Boden mit Hilfe eines Sparschäler in feine Scheiben hobeln. Die Artischockenscheibchen in etwas heißem Öl in einem kleinen Topf knusprig frittieren und anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen (m: meine eingelegten Artischocken geviertelt und knusprig gebraten)

Die Möhre und den Zucchino kleinwürfelig schneiden (meine Gartenzucchini habe ich nicht geschält), ebenso die getrockneten Tomaten würfeln. Das Gemüse kurz vor Ende der Garzeit (etwa 5-8min) zum Risotto geben und mitgaren. Den geriebenen Parmesan vor dem Servieren unter den Risotto mischen. Nochmals abschmecken und den Gemüserisotto mit den Mirabellen auf Tellern anrichten. Mit den Artischockenchips gipfeln.

Donnerstag, 21. August 2014

Wichtelei: Zucchinipuffer, Zucchinibratlinge, Zucchinilaibchen

Bei milder Temperatur regnete es leicht. Sie verstecken sich geschickt unter den großen Blättern. Schutzsuchend. Aber das ist, ihr ahnt es, nicht der einzige Grund. Auch für ihre weitere Entwicklung. Sobald sich nachts Wolken vor den Mond schieben, hüpfen kleine Wichtel mit bunten Kappen auf dem Kopf von Pflanze zu Pflanze und suchen sich einzelne Früchte aus, denen sie ein phänomenales Wachstumsserum spritzen. Explosionsartig entwickeln sich dann zarte Zucchiniknirpse in wenigen Stunden zu Monsterkeulen. Passiert in unserem Garten s-t-ä-n-d-i-g! Mir fällt wirklich keine andere wissenschaftliche Erklärung ein für dieses Wunder der Zeitraffer...

Wie gut, dass es auch für solche Oschis schöne Rezepte gibt. Brauchbare. Leckere. Das ein (oder andere) habe ich bereits für gut befunden. Nun gibts ein weiteres, ein Klassiker für die aus der Form geschossenen Zucchini, auch bekannt unter Zucchinipuffer, -laibchen oder -bratling. Wandelbar sind sie nach Tagesform, in dem Gewürze und Kräuter nach Lust ausgetauscht werden. Ebenso andere geröstete Flocken oder ein anderer Käse schrauben am Geschmack. Dazu einen schönen Salat oder einen Dipp und es steht ein prima Sommeressen auf dem Tisch. Übrigens auch kalt noch sehr lecker!

Also hiermit habt ihr eine Idee für zig wichtelbehandelte Keulen. Mindestens...
Zutaten - für etwa 16 Stück - 4-6P:

500g Zucchini, gestiftet
1 Zwiebel, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
100g Flocken (m: Buchweizenflocken)
1 EL Mehl
2 Eier, verquirlt
1 EL Schnittlauch, fein geschnitten
1 EL Minze, fein geschnitten
1/2 TL Kreuzkümmel
2 EL Comté gerieben
Salz, Pfeffer
Zitronenabrieb 1/2 Zitrone
Piment d'Espelette

Olivenöl zum Ausbraten

Zubereitung:

Die Zucchini waschen, halbieren und von ihrem schwammigen Kerngehäuse befreien. Mit einer Reibe stiften oder grob raspeln.

Die Flocken ohne Fett in einer Pfanne anrösten (optional). Die frischen Kräuter fein schneiden, den Knoblauch und die Zwiebel fein würfeln. Zitronenzesten abreiben, Käse ebenfalls reiben. 

Alle Zutaten miteinander vermengen und pikant abschmecken.

In einer Pfanne das Öl erhitzen und nacheinander Puffer etwa 4min von beiden Seiten goldbraun braten. Auf Küchenkrepp entfetten und im Ofen warm halten bis alle Laibchen fertig gebacken sind.

Dienstag, 19. August 2014

Das Marquard-Prinzip: Glace de Pêche de Vigne

Es gibt viele Arten von pêche de vigne, aber eines eint sie alle: diese samtige Haut, dieser feine, zarte Pelz, der fast wie gefilzt erscheint und der auch nicht abwaschbar ist - egal welcher Größe und Couleur. Oft werden außerhalb Frankreichs ebenfalls Plattpfirsiche, pêche plat, als Weinbergpfirsiche ausgegeben - hier bei uns im Fränziland bezeichnet das allerdings zweierlei.

Als Kompott habe ich euch den pêche de vigne bereits ans Herz gelegt. Und als Eis ist er die Wucht in Tüten. Vorallem mit den roten, dem König unter den Weinbergpfirsischen, denn geschmacklich und farblich sind die schlicht die Spitze, le top du top. Liebe Industrie, SO einfach kann colorieren sein - ganz ohne jede Buchstaben-Zusatzstoffe.

Bei diesem Eis gehe ich mit einer Stefan Marquard-Aussage: *So faul wie möglich und doch genial dabei sein*. Ja, ich gebe zu, ich habe mich ausschweifend für dieses Eis vor meinem Habib selbst gelobt, mir dabei geziert die Haare aus dem Gesicht gestrichen und mich ob meines Mini-Genie-Streichs selbst ganz toll gefunden. Jawohl, selbst die Gartenhände wurden mit dem nun fälligen Starglitter übertüncht (das nächste Mal dann richtig)! Ob ich mir Autogrammkarten drucken lassen sollte...?

Die Schlichtheit der Zutaten, das Aroma der Pfirsiche dank des Schmorens im Ofen, die Kombi mit dem Lavendelhonig, der einen schönen Schmelz ganz ohne Ei verleiht und den Sahnegeschmack der Mascarpone, die mir sonst zu mächtig ist, aber hier mal ihren Auftritt erhält. Eine kugelrunde Sache, dieses Eis... ohne jeden Fleißschweiß... vous venez voir...
Zutaten:

3 pêches de vigne, rouge
(geschmort ca 350g)
2 EL Holunderblütensirup
(ersatzweise etwas Honig)
2 TL Lavendelblätter, fein gehackt
70g Lavendelhonig
150g Mascarpone
100ml Milch

Zubereitung:

Ofen auf 200° (O-/U-Hitze) vorheizen.

Pfirsiche waschen, trocken reiben, halbieren (90° zur *Popofalte - so lassen sich die Kerne leichter entfernen) und vom Kern befreien.

In eine ofenfeste Form setzen, mit dem Holunderblütensirup beträufeln und den gehackten Lavendel darüber streuen. Für 30min in den heißen Ofen geben.

Nun alle Zutaten miteinander vermengen und fein pürieren. Die Zarten streichen die Masse durch ein Sieb (m: nicht gemacht) und im Kühlschrank ganz abkühlen lassen. Dann in die Eismaschine geben und zu Eis verwandeln lassen...

Sonntag, 17. August 2014

Das Musketier-Brot I, Emmer-Variante mit Mohn

Kann Kochen manchmal auch Pflicht sein, so ist es wirklich äußerst selten, dass ich keine Lust zum Brotbacken habe. Zu Beginn meiner Homebaking-Karriere konnten wir gar nicht so viel essen, wie ich gerne in Großproduktion gegangen wäre

Der Duft, der die Wohnung durchzieht, wenn das Brot bäckt, bleibt für mich einer der weltbesten Raumdüfte und Wohnklima-Verbesserer. Wem wird dann nicht ganz heimelig ums Herz? Und jeden Morgen mit gutem Gefühl in *echtes* Brot zu beißen ohne mistige Zusatzstoffe, ja, diesen Zustand gibt man nicht mehr her.

Mittlerweile - nach viel Ausprobiererei - haben sich natürlich bevorzugte Gewohnheiten eingestellt. Und heute reden wir über Sommergewohnheiten. Die Ansprüche an meine Sommerbrote sind folgende: so dunkel wie nur irgendwie zur Jahreszeit passend, dabei so locker wie möglich. Dazu - wie stets - gerne mit guter Frischhaltequalität. Und schon sind wir bei meinen besonders geschätzten Broten mit Weizensauerteig, die einige Stunden in der Kälte retadieren durften.

An diesem Brotrezept - ausgehend von diesem - habe ich ordentlich getüftelt. Ich hätte es also eben so gut Jean Pütz-Brot nennen können. Herausgekommen ist aber vorallem eines: eine Allzweckwaffe, ein Musketierbrot, eines für alle, ein Modelrezept für sämtliche, naja einige, dafür bevorzugte Getreidesorten. Aber ich werde zeigen, wie variabel und variantenreich ein einziges Modell ist. Vier verschiedene Brote werde ich vorstellen.

Selbst die Emmervariante habe ich bereits zwei Mal gebacken. Nach und mit neuen Erfahrungswerten wurde die Sauerteigmenge erhöht. Mit dem Ergebnis, dass die Krumenlockerung für meine übliche Zeit im Kühlschrank (5-7 Stunden) für ein Brot mit fast 50% Vollkorn sehr nah an das kommt, was ich optimal nenne.
Zutaten für 2 kleine Laiber oder einen großen:

Sauerteig - 14-16Stunden bei etwa 24°:
160g Emmer-Vollkorn, fein gemahlen
160ml Wasser
10g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Hauptteig:
Sauerteig
230g Emmer-Vollkorn, fein gemahlen
300g Weizen T65
100g Emmer, hell*
400g Wasser

16g Salz
25g Mohn
30ml Wasser
2 EL Walnussöl
Zubereitung:

Sauerteig rechtzeitig auffrischen. Den Sauerteig für das Brot am Nachmittag zuvor (m: ca. 16 Uhr) ansetzen.

Am nächsten Tag (m: ca. 8 Uhr) die erstgenannten Zutaten (Sauerteig, Emmer-Vollkorn, Emmer hell, Weizenmehl und 400g Wasser) kurz miteinander vermengen und 40min zur Autolyse stellen.

Nun die restlichen Zutaten (Salz, Mohn, Öl) dazueben, das Wasser während des Knetvorgangs schlückchenweise und ca. 10-12min kneten, bis der Teig anfängt zu glänzen und die Gluten sich gut entwickelt haben (Fensterscheibentest).

In eine geölte große Schüssel geben, den Teig direkt 1 x falten und abdecken. Nun drei weitere Male falten, alle 30 Minuten. Nach 2 Stunden sollte der Teig mit der Blasenbildung begonnen haben. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche teilen und rund wirken und mit dem Schluß nach oben in vorbereitete Gärkörbchen setzen. Weitere 30min abgedeckt ruhen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten für etwa 5-7 Stunden. 

Ist währenddessen der Teigling deutlich aufgegangen, dann direkt in den vorgeheizten Ofen (nach dem Einschneiden) einschießen. Diese Entwicklung hängt immer mit den Tagestemperaturen zusammen während des Faltens. Ist der Teigling nicht deutlich sichtbar aufgegangen, dann lasse ich ihn noch etwa 40min akklimatisieren, bevor ich sie in den Ofen gebe.

Ofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen und fallend etwa 45min backen (Klopftest).

*Anmerkung m: Die Größe adaptierte ich auf unsere Ansprüche: die Hälfte eines der beiden Laiber entspricht in etwa unserem Tagesbedarf.
Viele Grüße schicke ich an Stephan und Claudia, die mich mit Emmer eingedeckt haben (und wehe, ihr bringt nochmals Essigchips mit ;)

Und Peter Scholl-Latour gedenke ich nach seinem gestrigen Tod heute. Einen solchen Mann hätte ich gerne bekocht und ihn allzeit gerne an unserem Tisch sitzen gehabt. Jemand, dessen Geschichten aus allererster Hand, aus eigenem Erleben stammen, dazu noch weise, mutig und gebildet ist, jemand mit einem überbordenden Fundus an Erfahrungen, einem solchen ist gut zu zuhören. Er wird fehlen.
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...