Sonntag, 22. Mai 2016

Das Nofretete-Brot... nach Dietmar

Während meiner Bildhauereizeit zog mich die Büste von Nofretete immer wieder magisch an. Dieser Giraffenhals! Die Ebenmäßigkeit der Gesichtszüge! Die Aristokratie des Ausdrucks! Meine Schwärmerei wurde nur noch verstärkt dadurch, dass sowohl während des Kunst-LKs sowie im Kunstgeschichte-Unterricht der Akademie alles VOR dem griechischen Altertum unter den Teppich gekehrt wurde - sämtliche vorherigen Hochkulturen ebenso bestenfalls kurz gestreift. 

Nun hat also Nofretete bei der Bestattung ihres Mannes Echnaton in einem kleinen, steinernen Kasten 36 Kamut-Körner abgezählt und unter die Grabbeigaben gemischt. Unter den Mengen an Grabbeigaben konnte das Kästchen in dem Labyrinth der Pyramide bestimmt leichterdings Verschütt gehen. Erst 1940 wurde es entdeckt. Und wieder 30 Jahre später wußte schließlich einzig ein Farmer in Amerika wirklich etwas damit anzufangen - mit der biologischen Vermehrung dort begann die Ruhmgeschichte des Kamut. So oder so ähnlich will es die Legende

Vielleicht aber auch hat Fuchur eben jenen kleinen, steinernen Kasten mit den Kamutkörnern auf dem Meeresgrund gefunden, als er nach dem Auryn tauchte (ihr erinnert euch: auch wenn Fuchur perlmuttfarben Schuppen kleiden, so ist Wasser für einen Glücksdrachen tödlich). So MUSS es gewesen sein. Höchstens - das wäre natürlich auch noch möglich - das Verschwinden von Kamut ging zeitgleich mit dem Aussterben der Einhörner einher. Dann, ja dann... Nun, man weiß es nicht...

Fakt ist: alles was ZU schön klingt, kommt bei mir (seufzerbegleitet) in die große Kiste der Unwahrscheinlichkeiten. Da gebe ich Günther (ja, dem hier) recht in seiner Skepsis (die er bei mir wie Dietmar mal laut machte). Das ist auch der Grund, weshalb auf meiner Liste der liebsten Urgetreide-Sorten, der Emmer am Kamut vorbei gezogen ist. Und wer hier länger mitliest, weiß wie sehr ich Kamut seither mochte (s. Brote mit Kamut). Ein Rest Kamut befindet sich noch im Fundus, der auf jeden Fall aufgebraucht wird. 

Nimmt man die Phantastereien seiner Herkunft zur Seite, dann allerdings muß ich nach wie vor das Loblied auf Kamut singen: er nimmt sehr gut Wasser auf, zeigt eine besonders luftige Krumenbildung und - er schmeckt. Dieses Brot ist nach Dietmar gebacken (bäckt der nicht Brote wie aus dem Bilderbuch?) und - es schmeckte.
Zutaten 2 kleine Brote:

Sauerteig -ca. 15h bei 24°
145g Weizen T80
40g Weizen T110
21g Weizen-ASG (m: aufgefrischt)
200g Wasser

Hauptteig:
Sauerteig
430g Kamut-Vollkorn (m: frisch gemahlen)*
130g Weizen T80
70g Weizen 110
450g Wasser
18g Salz
2 EL Walnussöl

Zubereitung:

Den Sauerteig rechtzeitig vermengen (m: 17 Uhr).

Den Haupteig ohne Salz und Öl kurz klümpchenfrei verkneten und 30min zur Autolyse stellen (m: morgens 8 Uhr). Salz und Öl beifügen und 10min kneten.

Teigruhe von 150min, dabei falten nach 50/ 40/ 30min.

Den Teig teilen, rund wirken und in zwei vorbereitete Gärkörbchen setzen (m: mit dem Schluß nach oben), zudecken (m: Duschhauben) und in den Kühlschrank verfrachten (ca. 11 Uhr). Ofen vorheizen auf 250° mit Stein, Brote mit Schwaden einschießen (m: ca 18 Uhr. Schwaden nach 10min ablassen und fallend auf 210° insgesamt 40min backen (Klopfprobe).

Donnerstag, 19. Mai 2016

Glizzernd: Meerrettich-Risotto mit Rotbarbe und tonkasiertem grünen Spargel

Wenn wir Freunde zum Essen da haben, dann fotographiere ich selten. Ich habs schon mal erwähnt: es gibt Dinge, die macht man gerne alleine, für sich, unbeobachtet. Essen zu fotographieren fällt für mich eindeutig darunter.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Daher bekommt ihr heute einen kleinen Einblick auf ein gemeinsamen, kulinarischen Moment mit Freunden (allerdings schnell, unauffällig aus der Hüfte geschossen  - eben wie meist  ;). 

Er ist - altersmäßig - der älteste Freund, den wir haben. Und ich kenne wenig Menschen, die so glizzernde strahlende Augen ihr Eigen nennen dürfen. Manchmal sprühen sie regelrecht Funken und mein Herz hüpft ihnen entgegen. *Ein weiser Mensch ist jemand, der mehr Träume in seinem Herzen hat, als die Realität zerstören kann* lautet ein altes indianisches Sprichwort. Und so wie er sieht man dann aus!

Mein Anspruch an das Menu war, das es nicht zu mächtig werden sollte. Daher gabs als Einstieg eine leichte, vegane Suppe, die ich sehr gerne esse (halb Karotte, halb Butternut, ein guter Schuß Kokosmilch, Ras el Hanout, Zitrone, Ingwer - c'est ca) plus die Grissini. Das Dessert wiederum mußte zu dem Eis passen, welches er so gerne ißt und ich ihm zuliebe gerne wieder zubereitet habe: das Honigeis samt dünnen Sablés-Erdbeer-Törtchen.

Auch das Risotto ist kein Unbekanntes - ich habe es lediglich leicht abgewandelt. Daher bekommt ihr den Teller komplett beschrieben. Risotto läßt sich übrigens gut für Gäste vorbereiten: man kocht es nur zu Hälfte und läßt es dann schnell abkühlen. Besonders die Tonkabohne am grünen Spargel gefiel mir sehr.



















Zutaten 4P:

150g Risottoreis 
(m: roter Reis aus Madagaskar)
2 kleine Schalotten
2 Stangen frischer Knoblauch
1 EL Butter
50ml Weißwein
1 EL Zitronensaft
400g Fischfond
(plus etwas Gemüsebrühe)
30g frisch geriebener Meerrettich
(evt. mehr)
1/4 Salzzitronenschale, fein geschnitten
50g Ziegenfrischkäse
Salz
weißer Pfeffer

24 Stangen grüner Spargel
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1/2 Tonkabohne, Abrieb davon 
Öl (m: Sonnenblume)

6 filets de rouget 
Salz, Pfeffer
Mehl
Öl

Zubereitung:

Fischfond sowie Gemüsebrühe erwärmen (es schadet dem Essen nicht, wenn man die Fonds selbst zubereitet). Den weißen Teil der Knoblauchstangen ebenso wie die Schalotten fein würfeln. Den grünen Teil der Knoblauchstangen zu feinen Rollen schneiden und für später zur Seite stellen. In einem Topf die Butter zerlassen und Zwiebeln mit Knoblauch darin anschwitzen. Den Reis beifügen und kurz mitrösten. Mit dem Weißwein ablöschen und einköcheln lassen. Nach und nach den Fond unter Rühren anschütten. Sollte der Fond an Flüssigkeit nicht ausreichen mit etwas Gemüsebrühe auffüllen. Das Risotto ca. 20 Minuten köcheln lassen. Am Schluß die Salzzitrone, den Meerrettich und den Ziegenkäse unterrühren sowie mit Salz und Pfeffer abschmecken.


Den grünen Spargel vorbereiten: Enden kappen und unteres Drittel schälen. Den Ofen auf 200° vorheizen.  Den Spargel mittels eines Pinsels mit Öl bestreichen, salzen, pfeffern, eine gute Prise Zucker darüber geben und mit dem Tonkabohnen-Abrieb bestreuen. Für etwa 12-15min (je nach Dicke) in den Ofen schieben.

Die Filets waschen und abtropfen. Auf Schuppen und Gräten kontrollieren (und gegebenenfalls entfernen). Kurz vor dem Servieren die Filets salzen, pfeffern und leicht mehlieren. Zuerst auf der Haut anbraten, dann wenden und kurz auf der anderen Seite braten. Anrichten, mit dem Knoblauchgrün bestreuen und servieren.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Freitagstexter: der Pokal geht an...

freitagstexterpokal


Die Würfel sind gefallen - wobei das hier kein Glücksspiel ist oder mit Losverfahren zu tun hat. Nein, blanke Subjektivität gab den Ausschlag bei der Kürung:

Bronze geht an Günther:
*Die ist weg! Die sehen wir nie mehr wieder! So ein Mist auch! Jetzt lässt sogar schon die Spannung in den Wäscheklammern nach ...*

Silber an Robert:
*Eigenartiges Wetter! die Strasse ist trocken, niemand trägt Schirm, und uns regnet es in den Nacken.*

sowas von dicht gefolgt mit Gold, das an Sybilles aka Blaumann's knackige Bemerkung geht:
*Europäische Hängung*


Photo ancienne et de autrefois, photographie de époque en noir et blanc


Sybille von Am linken Ufer ist, wie sich rausstellte, nicht nur Bloggerkollegin, sondern heißt gleichfalls Gäste bei sich Willkommen



https://lamiacucina.files.wordpress.com/2016/03/wpid-freitagsnexter_256.png


Herzlichen Glückwunsch, Sybille, zum güldenen Pokal und auf in die nächste Runde, und zwar am Freitag, den 20. Mai 2016 ....  Am linken Ufer


Dienstag, 17. Mai 2016

Gegensätze: Pilzpolenta mit Pesto von Fêves und grünem Spargel

In der ersten Hausarbeit, die ich an der Uni abgeben mußte, griff ich auf das mir dienliche Zitat meines Mediävistik-Profs zurück: *Im Mittelalter dachten die Menschen das Gegenteil stets mit*. Und der Prof unterstrich seinen eigenen Satz rot und schrieb *schön* daneben - erfreut also, sich zitiert zu finden (so sind sie, die Profs...).

Eigentlich ein Kuriosum. Dass *im düsteren Mittelalter* der pipolare Aspekt aller Dinge eine Selbstverständlichkeit darstellte. Also, dass zwei Seiten einer Medaille immer gedanklich zusammen gezogen wurden. Himmel und Hölle zwar Gegenteil, aber dennoch eine Einheit - Erde - ausmachten. These-Antithese-Synthese (wie: Armut-Reichtum-Besitz/ laut-leise-Lautstärke/ warm-kalt-Temperatur/ hart-weich-Festigkeit/ Ruhm-Fall-Anerkennung/ Kind-Erwachsener-Alter uswusf).  Klingt heutzutage doch nach höherer Philosophie.

Dabei macht genau DAS *Menschwerdung* überhaupt erst möglich. Wäre der Mensch hier auf Erden nicht zwischen zwei Pole, in das Spannungsfeld von Gut und Böse gestellt, wäre es dahin mit seiner Freiheit. Dann müßte er automatisch einem bestimmten Naturell folgen - Tier gleich. Doch der Mensch besitzt einen freien Willen. Damit kann er sich für oder gegen etwas entscheiden, kann entscheiden, wo er mitspielt und wo nicht, wie er etwas möchte und wie er es nicht haben will. In diesem Spannungsfeld kann Mensch urteilsfähig werden, nur so kann er zu Bewußtheit gelangen.

Prima Gelegenheit meinen neuen Lebensbegleiter dazu zuziehen: Oscar Wildes *Das Bildnis des Dorian Gray*. Dort steht: *Nun, der Weg der Paradoxe ist der Weg zur Wahrheit. Um die Wahrheit zu prüfen, müssen wir sie auf dem Seil tanzen sehen. Erst wenn die Wahrheiten zu Akrobaten werden, können wir sie beurteilen.*

In der Küche bildet Kalt-Warm immer ein schönes gegensätzliches Duett. Hier die warme Polenta, die ich mit einem kalten Pesto aus dicken Bohnen und grünem Spargel serviert habe. Biss geben die getrennt gebratenen Champignon-Hüte. Und das gewisse Eßwas macht wie bei jeder Polenta hier die köstliche Tessiner Polenta, mit der uns die gute Sabine versorgt. Seit wir den Unterschied kennen, wollen wir keine andere mehr. Wirklich nicht!
Zutaten 2P:

200g Champigons
2 Schalotte
1 EL Pilzpulver
90g Polenta 
(m: Farina per polenta corvina integrale ticinese da mais nero)
200ml Milch 
200ml Gemüsebrühe
2 EL geriebener Parmesan
Salz
weißer Pfeffer
ein Stich Butter

Pesto
8 Stangen grüner Spargel 
1 handvoll ausgelöster, gekochter, dicker Bohnen
2 Zehen junger Knoblauch
etwas Zitronensaft
Salz, Pfeffer
1 EL fein gehackter Pistazien
Haselnussöl

Zubereitung:

Das untere Ende der Spargel schälen, in Stücke schneiden und in etwas Wasser mit einem Schuß Essig und etwas Zucker in etwa 10min garen. Kalt abschrecken. Die Köpfe zur Seite legen. Die unteren Abschnitte zusammen mit den dicken Bohnen und dem Knoblauch fein pürieren. Haselnussöl und Pistazien untermischen. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.

Champignons putzen und Stiele von Köpfe trennen. Die Stiele fein wüfeln, ebenso die Schalotten.
Die Schalotten zusammen mit den Pilz-Stielen in der Butter glasig dünsten. 

Brühe und Milch zum Kochen bringen. Die Polenta einrieseln lassen. Das Pilzpulver untermischen.

Bei kleiner Hitze die Polenta unter stetigem Rühren quellen lassen - ca. 25min. 

5 Minuten vor Ende die Champignon-Köpfe in einer kleinen Pfanne in etwas Öl von beiden Seiten goldbraun braten. Zum Servieren den Parmesan unter den Maisgrieß rühren, die Pilz-Köpfe vierteln, die Polenta auf zwei Teller verteilen, die Pilze darüber verteilen, einen guten Löffel Pesto dazu und die Spargelköpfe drappieren. Voilà!
Inspiration Pesto: Sabine von Bonjour Alsace

Sonntag, 15. Mai 2016

Durchjongliert: Quiche mit Kürbis und Mangold

Anhand der vielen Tartes auf dem Blog kann man leichterdings darauf rückschließen: die Micha macht das nicht zum ersten Mal. Jaha, aber eine Quiche ist keine Tarte - da bin ich jetzt spitzfindig. Oder einfranzösischt. Tarte sind schließlich die flachen Dinger, Quiches die hohen. 

Die Tartes werden von mir deshalb vorgezogen, weil sie leichter und gemüselastiger sind. Quiches sind mir schnell zu üppiger. Und dann nicht zu vergessen: bei Quiches kommt es nicht nur auf den Geschmack an, sondern ebenso auf das Mouthfeeling. Und da kann einiges schief gehen. Wieso ich an dieser Quiche - das dürft ihr mir ruhig glauben - richtig getüfftelt habe. Drei Versuche brauchte es, bis ich völlig zufrieden war. 

Was mit Versuch zwei passierte, wollt ihr nicht wirklich wissen. Und ich erinnere mich auch nur mit innerlich zusammen gekniffenen Augen. Nachdem ich die Quiche aus dem Ofen holte und den Metallring löste, rutschte sie mir in unfaßlichster Laurel and Hardy-Manier aus der Hand. Und verteilte sich zusammen mit meinem Humor auf dem Boden. Situationen, die kein Mensch braucht. Ähm ja, und Gäste  hatten wir auch. Zum Quiche-Essen. Ein Desaster biblischen Ausmaßes. Also fast. Eigentlich ein 1A-Moment für einen Schnappes. Vielleicht sogar für drei ... (aber ihr wißt ja...).

Unerschütterlich buk ich sie ein drittes Mal. Ist wie, wenn man vom Pferd gefallen ist: Sofort wieder ruff! Zumal ich WUßTE, dass aus dem Dreigestirn Butternut-Mangold-Ziegenfrischkäse nur etwas wundervolles entstehen kann - die drei zählen zu meiner liebsten Veggie-Kombis. Und Voilà, von Katastrophe keine Spur mehr - au contraire. SO geht Quiche! Serviert übrigens mit einem formidabel passenden Rote-Bete-Relish (grob in dieser Richtung).
Zutaten - Form 26cm:

70g Dinkel-Vollkorn
130g Dinkel 1050
100g Butter
100g Quark
Salz
Chiliflocken
etwas kaltes Wasser

250g Kürbis (m: Butternut)*
250g Mangold
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
150g Ziegenfrischkäse*
3 Eier
100ml Sahne
50ml Milch
100g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
Muskatnuss-Abrieb
Harissa
1 EL Mehl
etwas Öl

Zubereitung:

Aus den Zutaten einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Die Tarteform buttern. Den Teig auswellen und die Tarte samt Rand auskleiden. Den Boden mehrfach einer Gabel einstechen. Für ca. 30min in die Tiefkühltruhe stellen.

Den Mangold waschen. Die Blätter von den Stielen trennen. Die Stiele in feine Streifen schneiden (je nach Größe vorher halbieren). Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. In wenig Öl Mangoldstiele, Zwiebeln und Knoblauch gar dünsten. Salzen, pfeffern und mit Harissa gewünscht scharf abschmecken.

Den Kürbis schälen und grob raspeln. Die Hälfte in wenig Gemüsebrühe in einem kleinen Topf weich garen (Gemüsebrühe sollte dabei so gut wie verdampfen). Dann pürieren

Die Mangoldblätter in kochendem Wasser zusammenfallen lassen, dann blanchieren (unter kaltem Wasser abschrecken). Gut ausdrücken und fein schneiden.

Die Milch mit dem Löffel Mehl klümpchenfrei vermengen. In einer Schüssel die Eier mit der Crème und der Sahne verquirlen. Die Milch-Mehl-Mischung unterrühren. Ebenso den pürierten Kürbis. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnussabrieb würzen (nicht zu zögerlich salzen).

Den Ofen auf 190° (Umluft) vorheizen.

Das Gemüse (Mangoldblätter, -stiele samt Zwiebel und geraspelten Kürbis) mit dem Schüsselinhalt vereinen. Den von Hand zerbröckelten Ziegenfrischkäse ebenso untermischen.

Die Füllung auf den Tarteboden geben und glatt streichen. Die Tarte im heißen Ofen etwa 50min backen (m: mit Programm *Intensivbacken*).

Quiche 5min ruhen lassen vor dem Anschneiden.

*Anmerkung m: Butternut kann durch Karotten ausgetauscht werden, Ziegenkäse durch Ricotta

Freitag, 13. Mai 2016

Freitagstexter zum Zweiten:

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Viel zu selten beteilige ich mich an dem wöchentlichen Event *Freitagstexter*. Dabei kann man diese Initiative gar nicht hoch genug loben: sie trainieren in schöner Regelmäßigkeit anhand eines Fotos das assoziative Denken. Und gerade diese Fähigkeit, Verknüpfungen, Beziehungen herstellen zu können, lassen den passionierten Denker erst zum Tänzer in Raum und Zeit werden.

Ein derart gut bewegter Denkmuskel hilft nicht nur das Hinsehen zu verschärfen, es kitzelt die kreativen Momente hevor, ja, manchel lockt es gar den Schalk aus dem Nacken. Jungkur von innen. Bref: ich will nun wieder öfters um den goldenen Pokal der Freitagstexter ringen, der mir aufgrund diesem Mitspiels von  Robert verliehen wurde. Verbunden mit der Pflicht, die Jonglage *von Bild zu Wort* weiter in Bewegung zu halten.

Bereits Leonardo da Vinci sagte: *"Ich habe in den Wolken und an den Mauern schon Flecken gesehen, die mich zu schönen Dingen verschiedenster Art anregten."

Voilà, darum gehts. Und ich biete euch immerhin deutlich mehr als ein Abschnitt Wand oder ein Stück Himmel... Nun nur frisch raus damit, was euch zu diesem Bild einfällt. Erlaubt ist alles, was die Grenzen des guten Geschmacks und des Anstandes nicht überschreitet und in irgendeinem Zusammenhang mit dem folgenden Foto steht. Immer schön voran in bester Leonardo Tradition!



Photo ancienne et de autrefois, photographie de époque en noir et blanc


Zu den Regeln:

diese   finden sich hier

Wer teilnimmt, sollte einen Blog besitzen, damit er im Gewinnfalle die langjährige Tradition des Freitagstexters fortführen kann.

Der Wettbewerb läuft bis Dienstag, 17. Mai 2016, 23:59:59 Uhr.

Mittwoch, 18. Mai 2016 wird der Gewinner unter Ausschluss des Rechtswegs gekürt und der Pokal virtuell übergeben. Die Siegerin/der Sieger verpflichtet sich, am Freitag, 20. Mai 2016 den nächsten Freitagstexter auszurichten und wird damit Teil der Gang...

Mittwoch, 11. Mai 2016

deutsches Land: Reissalat mit Blutorange und Paprika

Wenn Vielreisende zu jemand mutieren, der anderen seine Geschichten aufnötigt und die Welt erklären will, dann ist etwas schief gelaufen unterwegs.

Wenn aber Reisen benutzt wird, um an das kostbarste Elexier dieses Planeten zu gelangen, das da lautet *Erfahrungen*, dann gibt es für mich kaum einen vergleichbar guten Zugang. *Distanz schafft klare Gedanken* sagt man. Und genau das vermag Reisen. Dank dem gewonnenen Abstand kann Altbekanntes, Vertrautes, Selbstverständliches in einem komplett neuen Licht erscheinen. Ganz besonders flasht mich dabei die Rückkopplung auf einen selbst: das Selbstverständnis verändert sich damit parallel. Und ja, durch all die Eindrücke, die man selbst erlebt erfahren hat, erkennt man möglicherweise erst den hohen Wert von Erfahrungen. Sie stärken sehr in der eigenen Urteilsbildung und im eigenen Stand.

Nehme ich mal zur Veranschaulichung das Thema *Heimatland*, welches ganz und gar verwoben ist mit den unzähligen Selbstverständlichkeiten von Kultur und Tradition seit Kindheitstagen. Aus der Ferne betrachtet bietet Deutschland eine Vielzahl von Vorzügen. Abseitsreisen zählt  - dank 6 jährigem Auslandsaufenthalt mit gehöriger Außenperspektive - einige davon auf. 

Dennoch ist die Frage, wie schwer es ist, sich nach einer langen Reise wieder in Deutschland einzugewöhnen, nicht an den Haaren herbei gezogen. Denn in dem guten, warmen Selbstverständis als privilegierter Europäer gibt es einen Wehrmutstropfen. Genau jener, an dem gerade Reisende innig geleckt haben: die Freiheit.

Auch zu diesem Aspekt möchte ich jemand anderes zu Wort kommen lassen. Sie habe ich - wie solls anders sein - über das Reisen kennengelernt. Nämlich als wir einen Großteil des Winters auf Sansibar verbrachten und ich staunend aufgeklärt wurde, dass Sansibar einst *unter deutscher Schutzherrschaft* stand (komisch, Kolonialimus muß während meiner Schullaufbahn komplett aus dem Lehrplan gestrichen worden sein). So hörte ich auf der Insel zum ersten Mal von *Emily Ruete*. Emily Ruete wurde 1844 auf Sansibar geboren als Sayyid Salme, Tochter eines Sultan. Sie wächst als verwöhnte Prinzessin in dem Harem des Sultanpalastes auf bis zum Alter von 22 Jahren. Bis zu jenem Tag, als sie Heinrich Rute, einen Hamburger Handelsvertreter, kennenlernt. Und umgehend schwanger wird. Um dem Sultanhaus die Schande dieses Verhältnisses zu ersparen, flieht die Schwangere mit Heinrich und lebt mit ihm - fortan als Emily Ruete - in Hamburg. 

Nicht nur die Biographie von Emily Ruete liest sich faszinierend, vor allem ihre eigenen Bücher (*An arabian Princess between two worlds* und *Ein Leben im Sultanspalast* sind absolut lesenswert. (Empfehlung  ;). Nun zu dem Ausschnitt aus ihren Memoiren, zu dem ich euch eben führen wollte, nämlich jener, in dem Salme vor über hundert Jahren ihren Eindruck von Deutschland schildert:
*Hier merkte ich so recht, wie weit die vielbesungene Freiheit eigentlich geht. Die Polizei nimmt sich einfach das Recht, sich ganz unberufen in Familienangelegenheiten einzumischen. Meine Unzivilisiertheit mag Schuld daran sein, dass ich mich innerlich gegen eine solche Bevormundung sträubte, denn die Einheimischen finden zu meinem Erstaunen in dieser Art von Maßregelung absolut nichts Besonderes... Ganz unwillkürlich beschlich mich das Gefühl, als ob ich mich in einer streng geführten Anstalt, nicht aber in einem großen Staate befände. Alles ist so schablonenhaft geordnet und eingerichtet, dass das allergeringste Abweichen davon eine Strafe nach sich zieht. Alles, alles steht unter dem Gesetz, und die Paragraphen des letzteren sind fast so zahlreich wie der Sand am Meer.*

Ganz in eurer Freiheit steht, ob ihr euch zu diesem Reissalat verführen laßt und ob ihr an ihm irgend etwas deutsches ausmachen könnt. Mit importierem rotem Reis aus Madagaskar hat er uns ganz und gar überzeugt. Regelrecht seltsam, dass dies der erste Reissalat auf dem Blog ist... Da seine Verkostung etwas her ist, habe ich ihn in Klammern mehr an den Frühling angepaßt.

Zutaten:

140g Reis (m: roter Reis)
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Stange Sellerie
1 Karotte(oder 1/2 Bund Radieschen)
1 gelbe Paprika
1 EL Olivenöl
2 Blutorangen, filetiert
2 EL gehackte Petersilie
2 Hände voll Feldsalat (oder 1 Bund Rucola)
2 TL Tahini (Sesampaste)
2 EL Gemüsebrühe
3 EL Reisweinessig
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Zuereitung:

Die Zwiebel fein würfeln. Sellerie von Fäden befreien und ebenfalls fein würfeln. Die Paprika mit dem Sparschäler dünn von der Haut befreien und in kleine Streifen schneiden. Die Karotte putzen und zu feinen Julienne reiben. Den Knoblauch vom Trieb befreien und in fein hacken. In Olivenöl zusammen gar dünsten. Salzen und pfeffern.

Den Feldsalat waschen und trocken schleudern.

Den Reis in Salzwasser gar kochen. 
Die Blutorangen schälen und filetieren - den heraustretenden Saft auffangen, den Rest ausdrücken. Mit Gemüsebrühe, Sesampaste und Reisweinessig zu einem homogenen Dressing rühren und mit Salz und Pfeffer sowie Piment d'Espelette würzen. Alle Zutaten miteinander vermengen und servieren.
einer meiner liebsten Düfte: unser Orangenbaum blüht
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