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Mittwoch, 29. Januar 2014

Unterwegs bei den Mayas V: Gevatter Tod



Im Gegensatz zu unserer Kultur sind die Toten bei den Mayas allzeit präsent. Nicht nur zum 1. November gedenkt man ihrer, sondern zu allen Feiertagen, Geburtstagen und sonstigen Familienereignissen. Auch unter der Woche bringt man den Verstorbenen Blumen (um Weihnachten waren es besonders gerne Christrosen).  Die ganze Familie trifft sich am Grab. Man *isst* zusammen mit den Verstorbenen, man spricht mit ihnen und man bezieht sie in das aktuelle Leben mit ein. 

Die Toten sind nicht tot, sondern sie leben in einer anderen Welt. Aber einer Welt, die nicht wie bei uns auf den Friedhof beschränkt ist. Man weint nicht um sie, man hält immer Kontakt mit ihnen – über viele Generationen zurück. Man wendet sich an sie, auch um Rat zu suchen. Bei den Mayas existiert eine andere Begrifflichkeit von Familie, von Tod, von Leben nach dem Tod. Tod bedeutet nicht in erster Linie Trauer, sondern der Übergang in eine höhere Daseinsform – das spiegelt sich zum Beispiel an den  fröhlichen Farben der Gräber wieder. 

Familien am Grab habe ich selbstredend nicht fotographiert

Sonntag, 26. Januar 2014

Fondant à la crème de marron et au chocolat

Was im englischsprachigen Raum die Brownies sind, das ist den Fränzis ihr Fondant. Das Prinzip samt Ergebnis bleibt sich gleich: ein trüffeliger Kuchen entsteht, den man am besten als kleine petit four anbietet. In diesem Fall als größere Praline.

Ich weiß - das erzählt mir meine Statistik - dass ihr besonders gerne bei mir auch typisch französische Rezepte lest. Von diesem Fondant geistern sehr viele Varianten im französischen Netz herum. Es gibt die Varianten mit der gezuckerten Maronencrème (meist gekauft) wie auch hier, oder diese - meist enthalten sie auch anteilig mehr Maronen und sind um einiges süßer als mein Rezept.

Gut gefallen mir - wie meist - die Ideen von einem meiner liebsten französischen Blogs *Cuisine de campagne* wie das Fondant de chataîgnes aux noix oder ihre Fondant mit Marronencrème.

Natürlich steht euch ebenfalls zur Wahl glattweg einen reinen Kuchen mit Marronencrème zu machen, wie ihn beispielsweise Svea zubereitet. Alles mit fanzösischem Blut in den Adern wird anfangen zu schnurren. Und alle anderen auch...

Da ich noch einen Rest vom Weihnachtsdessert an Maronenpuree hatte und mir das gekaufte Produkt schnell zu süß ist, habe ich das verwendet. Ihr habt nun eine weitere schicke Auswahl für eine winterliche Süßigkeit mit Kastaniencrème.
Zutaten:

250g Maronencrème
100g Schokolade
2 Eier (Größe L)
1 EL Mehl (m: Dinkel 630, optional)
70g Demi-Sel Butter
60g Rohrzucker
Abrieb 1/2 Tonkabohne

Zubereitung:

Ofen auf 160° - O-/U-Hitze vorheizen.

Schokolade mit der Butter über dem Wasserbad schmelzen. Zucker mit den Eiern kurz schaumig rühren. Tonkabohnen-Abrieb dazugeben, ebenso die Maronencrème.

Die geschmolzene Schokolade und Butter untermischen, am Schluß das Mehl untermengen. Die Crème in eine vorbereitete, gebutterte Form füllen und ca. 30min backen.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Unterwegs bei den Mayas IV: die Farben der Frauen

Die wunderschöne Trachten der guatemalischen Indigenas haben es mir besonders angetan: Liebe auf den ersten Blick. Verziert mit aufwendigen, kunstfertigen Handstickereien und Webarbeiten ist jeder Huipil ein Unikat. Ob meiner Schüchternheit, Menschen zu fotographieren, sind nahezu alle Bilder auf der Hüfte geschossen. Das erspart mir das oft beobachtete *touristische Abschießen* anderer mit der Kamera - was ich zu allermeist entwürdigend für beide Seiten empfinde. Das Menschengewimmel auf Märkten und einer Fiesta machten es uns dabei leichter, den unbemerkten Moment für uns zu nutzen.

Ob der Faszination wird man nämlich gar nicht fertig mit der Bewunderung für diese handgewirkten Kunstwerke. Irgendwie ähneln sich so viele traditionelle Kleidungen alter Volksstämme. Und was mir dabei immer wieder besonders gut gefällt: Tracht steht den Jüngsten wie den Ältesten gut zu Gesicht. Und es bleibt sich schnuppe, ob Frau baucht oder nicht, große Brust oder kleine Brust-Besitzerin ist, dicke Schenkel oder Streichholzbeine hat. Tracht kleidet einfach gut.

Etwas, das mich schnell zu Schwärmereien verleitet - war ich schließlich nicht umsonst jedes Kinderfasching als Indianerin unterwegs.

Ganz so idyllisch, wie ich es gerne hätte, ist es im Falle der Mayas nicht. Die spanischen Kolonialisten bereits des 16. Jahrhunderts zwangen die guatemalischen Dörfer zur besseren Unterscheidung in unterschiedliche Trachten. Und die Jugend hat bald schon keine Lust mehr auf Traditionen: der amerikanische Kleidungsstil (Fernsehen und Inet inspirieren) setzt sich mehr und mehr durch...

Sonntag, 19. Januar 2014

Ein neuer Pastagott im Olymp: Kartoffel-Pici mit Artischocken und Fenchel

*Neunzehn* zählt bekanntermaßen zu meinen Lieblingszahlen. Daher habe ich euch für den ersten Neunzehnten des Jahres ein echtes vegetarisches Lieblingsessen herausgesucht. Ja, ich kanns nicht schlichter benennen: für mich geht mit diesem Pastagericht ein neuer Stern im Pasta-Olymp auf.

Es ist, als ob Hermes Demeter verführt hätte - genauso (in etwa) schmeckt diese Pasta. Nicht, dass ich mich besonders im *Who is Who* oder *Wer mit Wem* der griechischen Mythologie auskenne. Aber das Hermes als besonders umtriebig zu bezeichnen war, das weiß man ja. Nun, und Demeter hatte es mit der ganzen Entführungsgeschichte nicht gerade besonders leicht. Fehlt also nur noch die Gelegenheit und die haben sich die Damen und Herren des Olymp doch immer geschaffen...

Es kann - wenn wir schon gerade dabei sind - als fester Zukunftsplan bezeichnet werden, dass, sollten der Habib und ich winters irgendwann zur Seßhaftigkeit bereit sein, Hühner eine Bleibe bei uns finden. Und noch gewisser bin ich mir bereits über die Namensgebung: der griechische Olymp wird zu uns in den Hühnerstall hinabsteigen. Alleine der Name für den einzigen Hahn wird eine schwierige Entscheidung: Ikarus oder doch Odysseus, vielleicht sogar Apoll...

Jetzt zuallerst muß ich mich bei Toni bedanken. Ihrer Muse habe ich diese Kartoffelpasta zu verdanken, die standepede ins Standartrepertoire einzieht. Von der Form sind sie Pici (wie etwa bei Robert zu finden) nicht unähnlich. Der Teig ist wunderbar zu händeln, schön griffig und wirklich herrlich zu rollen. Wie gut, habe gleich die doppelte Menge zubereitet und die Hälfte des Teiges eingefroren. Dicke Empfehlung an alle Pasta-Maniacs!
Zutaten - 2P:

Kartoffel-Pici
50 g Kartoffeln, mehlig kochend
100g Mehl
50g Hartweizenmehl
1 Ei
1 EL Öl
½ TL Salz 


2 kleine Fenchelknollen, in feine Streifen geschnitten
2 Artischocken
1 Zitrone
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
Olivenöl
1 Schuss Pastis
1 kleiner TL Vanillezucker (m: selbstangesetzt)
etwas braune Butter
1 TL frischer Thymian
Salz, Pfeffer
etwas Gemüsebrühe
Piment d'Espelette
Abrieb 1/2 Zitrone
1 EL crème fraîche
1 EL feingehackte Peterslie
Zubereitung:

Die Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen, ausdämpfen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Sie sollen noch lauwarm sein. Mit den restlichen Zutaten zu einem Teig verarbeiten. Der ist etwas weicher als ein herkömmlicher Nudelteig. Falls zu weich noch etwas Mehl, andernfalls etwas Wasser zugeben.


Mind. 30 min. ruhen lassen
.

Mit der Nudelmaschine mit der gröbsten Einstellung zu Bahnen ausrollen und in schmale Streifen schneiden. Diese Streifen werden mit der Hand zu einer Art dünnen Schupfnudel gerollt und dürfen ruhig etwas rustikal werden. Die Nudeln auf ein mit doppelgriffigem Mehl oder Hartweizengrieß bestreuten Brett verteilen.


Während der Pastateig ruht die Artischocken wie gewohnt schälen und in Zitronenwasser zwischenlagern, damit sie nicht braun werden. Vor dem Auspressen der Zitrone die benötigten Zitronenzesten abreiben und zur Seite stellen.

Knoblauch und Fenchel ebenfalls schälen und vorbereiten.

Etwas braune Butter in einer Pfanne erhitzen und den Fenchel bei milder Hitze zart golden rösten. Dabei salzen und pfeffern. Den Vanillezucker darüber geben und mitkaramellisieren lassen.

Den Fenchel aus der Pfanne nehmen und etwas Olivenöl in die Pfanne geben. Die in Spalten geschnittene Artischocken anrösten bis sie leicht Farbe annehmen. Dann den Knoblauch und den Thymian unterrühren und kurz mitrösten. Ein wenig Gemüsebrühe (etwa 2 EL) anschütten, einen Deckel auflegen und die Artischocken eben bissfest garen (geht nur wenige Minuten).

Parallel einen Topf mit reichlich Salzwasser aufsetzen.und die Pasta - je nach Dicke - etwa 3min kochen lassen. Probieren.

Den Fenchel wieder zurück zu den Artischocken in die Pfanne geben und erhitzen, einen Schuß Pastis angießen und nahezu verkochen lassen. Dann mit Piment d'Espelette und der Zitronenschale würzen. Die Crème unterrühren, ebenso die feingeschnittene Petersilie und nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Pasta unter das Gemüse heben und servieren. 

Quelle Kartoffel-Pici: Toni von Hundertachtziggrad

Mittwoch, 15. Januar 2014

Unterwegs bei den Mayas III: Tänzer und Masken

Die ganzen Tage über war großes Remmidemmi auf den Straßen durch die Tänzer mit Masken und aufwendigen Kostümen zogen, an bestimmten Stellen stoppten und verschiedene Tänze aufführten. Ein wunderbares Spektakel für die Augen! Die Masken stellen zumeist eine kritische Auseinandersetzung mit dem einstigen spanischen Kolonialismus (16./17. Jhdt - 1821) dar: lange Nasen, dümmlich grinsende Gesichter und nachäffende Tanzweise der Konquistadoren. Dazu gilt sich immer mitzudenken: die markerschütternde Live-Musik, die derart aus den überdimensionalen Boxen dröhnt, dass der Bass die inneren Organe in Schwingung versetzt.

Die Indigenas, die von weither zu dieser Fiesta strömten, staunen, schauen, aber ganz und gar regungslos. Weder singen sie mit, noch lachen sie groß oder tanzen gar mit. Noch nicht einmal mit dem kleinen Zeh. Das hat mich sehr überrascht.

Die Fortsetzung dieser Auseinandersetzung durch politischer Einflußnahme findet Ausdruck in Präsentationen von amerikanischen Kunstfiguren (by the way: Bombardierung Guatemalas durch die USA 1976).