Samstag, 7. Januar 2017

Amy Chaplin *Celebrating Whole Food* [Rezension]

Mir ist nicht leicht, ein neues Kochbuch zu schenken. Ich bin keine Sammlerin und was Rezepte angeht schnell *übersättigt* - einfach durch den vollen Magen der Erfahrungen. Umso mehr freue ich mich, wenn ich auf Bereicherung in Buchform für die Küche stoße. Und *Celebrating Whole Food* wird mir sogar helfen, Vorurteile abzubauen, nämlich die, die ich seither hegte gegen vegane Pâtisserie - schaut euch dieses Bild von einer Tarte an! (selbstredend ohne ihrgendwelches Industriezeugs).

Amy Chaplin's Buch konnte meinen Wunsch, mich mehr für Vollwert zu ambitionieren, ganz und gar erfüllt (und dass, wo doch eigentlich jede Erwartungshaltung nur dafür da ist, Enttäuschungen anzuziehen). Gut, mit dem feurigen Kürbis-Eintopf etwa erfindet sie die vegane Küche nicht neu - aber er schmeckt. Wie alle vier Rezepte, die ich daraus nachkochte. Von ihrer Karottensuppe waren wir wiederum richtig angetan.

Den größten Mehrwert für mich in diesem Kochbuch sind aber die tiefergehenden Erklärungen: Amy erklärt, warum sie welche Zutaten für mehr verwendet als nur den Geschmack samt ihren entsprechenden Zubereitungsweisen. Für mich waren absolut erhellende Kapitel vorneweg das über *Phytinsäure* oder auch das über *Meeresalgen*. Als Anstoß nehme ich ihr Fürsprechen für einen Schnellkochtopf (muss wohl einer bei mir einziehen) oder das Kapitel *Keimen* oder *Fermentieren* (jetzt aber... endlich - Vorsatz für 2017). Außerdem bin ich Fan davon, dass sie ebenfalls gerne mit Vorräten (wie selbstgemachtes Harissa oder Kimchi oderoder...) kocht.

Und dann sind da noch VIELE Rezepte, die ich mir zum Nachziehen vorgemerkt habe, wie etwa *Vollkorn-Fettuccine mit Grünkohl, karamellisierten Zwiebeln und mariniertem Ziegenkäse* (wenn die Ziegenkäse-Saison bei uns wieder beginnt), *eingeweichte Haferflocken mit Chia mit Mandelmilch, Leinsamen und Weizenkeimen* (und das will was heißen, wo wir so eingefleischt sind mit unserem Porridge), *französische Linsensuppe mit Rosmarin, Kürbis und buntem Mangold* (das wurde mein 4. Rezept daraus) sowie *geröstete Feigen-Himbeer-Tarte mit geröstetem Mandelboden* (der Sommer mit seinen Früchten muß nur kommen - die Tarteböden klingen übrigens allesamt völligst verheißungsvoll)

Von dem Bewerten in Zahlen bin ich abgekommen. Als jemand, die seine Klamotten sehr gerne Second-Hand kauft, empfinde ich diesen gegenseitigen Bewertungsdrang (sogar -wunsch), der selbst dort herrscht, als äußerst lästig. Daher kommt meine Rezension mit bloßen Buchstaben aus (die Zahlen, so ihr sie braucht, könnt ihr euch selbst denken). Trotzdem danke ich an dieser Stelle wieder Juliane, die sich das feine Bewertungssystem ausgedacht hat.





Design/ Optik:
Das Buch hält, was der Titel verspricht: hier rühren nicht lila Latzhosenträger fade Grünkernbratlinge zusammen, hier wird Vollwert wirklich gefeiert. Und dabei geschmacklich wie optisch ansprechend präsentiert. Die Aufmachung ist ohne Effekthascherei, das Buch wirkt luftig gestaltet - trotz des geballten Inhalts und des durchaus beachtlichen Gewichts. Die Strukturierung zeigt, dass sich über ein gutes Drittel (erstes Kaptitel zum Thema Vorräte/ Ausrüstung/ Grundrezepte) Grundsätzlichkeiten widmet - und die sind absolut lesenswert!

Fotos:
Die Fotos erinneren mich an den Ottolenghi-Style: natürlich-rustikal - irgendwie die gängige, bildhafte Darstellung von hauptsächlich pflanzlichen Gerichten. Ohne Schischikram mit Fokus auf den Gerichten und dabei ansprechend und appetitlich - mir gefällts

Rezepte:
Die Rezepte sind vielschichtig: nicht nur klassisch Vorspeisen/ Hauptspeisen/ Desserts, sondern zusätzlich (s.o.) Vorräte und Grundrezepte/ Frühstück/ Süßes für jede Gelegenheit/ mein Leben mit Tee. Und darunter findet sich einiges, das mich trotz meiner bisherigen Kocherfahrung wirklich inspiriert...

Nachkochbarkeit:
Ja, da kommt zu tragen, was sich meist als Stolperstein erweist: in unserer abgelegenen Wohnlage kann ich nicht alle Zutaten käuflich erwerben (Algen beispielsweise). Manches beißt sich auch ein wenig mit unserem Garten - aus ihm vorneweg wollen wir uns schließlich ernähren. Für alle Städter (wo die meisten ja leben) dürfte das aber kein Kriterium darstellen. Das ist übrigens auch mein einziger kleiner Kritikpunkt: wenn man wie Amy so sehr auf natürliche, regionale, frische Nahrung wert legt, wieso lebt man dann in einer Großstadt und nicht konsequenterweise auf dem Land (bon, vermutlich weil sich dort kaum Kundschaft finden wird für ihren Beruf) - aber das ist zugegebenermaßen ein völlig subjektiver Einwurf.

Ansonsten kann ich nur sagen: tippitoppi - Mengen und Anweisungen stimmen und funktionieren. Erfolgreiches Nachkochen ist also garantiert...

Kaufempfehlung: 
*Celebrating whole Food* ist mehr als ein Kochbuch, es ist eine Fibel zum Thema pflanzliches Vollwertkochen und-Backen - und damit ein Buch, auf das ich immer wieder zurückgreifen werde. Die Antwort könnt ihr euch damit eigentlich selbst geben, ich schreibs aber trotzdem in aller Deutlichkeit: eindeutig JA!

Nochmals herzlichen Dank an den Narayana-Verlag für das Rezensionsexemplar

Kommentare:

  1. Ganz Deiner Meinung :-).
    ....und solltest du ein Care-Paket brauchen, sag was ;-).

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    1. Was ein liebes Angebot von dir, Susanne - vielen Dank! Ich habe das ein oder andere für den nächsten Großstadtbesuch auf dem Zettel und hoffe, dort dann fündig zu werden. Wenn nicht, weiß ich nun, dass mir mit deiner Hilfe die Welt dennoch offen steht ;-)

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  2. Bereits Dein letztes Posting hat mich auf Amy Chaplin neugierig gemacht, obwohl auch ich keinem Trend folge und mich schon nicht mehr erinnern kann,wann ich das letzte Kochbuch gekauft habe.Jedenfalls nicht, seitdem ich Deinem Blog folge und das ist schon sehr lange :-))
    Ich habs getan und mir bestellt. Wenn jemand seinen Vorratsschrank öffnet und ich fühl mich da sofort wie zuhause, kann das kein Fehlkauf sein
    Liebe Grüße Joona

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    1. Da freue ich mich aber über deine Treue und dein Vertrauen, Oona. Ein weiterer kritischer Punkt zur Rezension fällt mir nun noch ein: Vollwert-Ernährung ist teuer. Warum etwa kosten Vollkorn-Nudeln SO viel mehr wie aus Weißmehl/Hartweizen ? Aber dazu komme ich nochmals, wenn ich das Pastarezept veröffentliche. Ich hoffe auf jeden Fall, dass du so viel Freude mit dem Buch hast wie ich...

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  3. Die Fettuccine mit Grünkohl, karamellisierten Zwiebeln und mariniertem Ziegenkäse hab ich erst gestern auf einem Blog gesehen und gleich morgen werde ich sie auch kochen. Nachdem Du von dem Buch so begeistert bist, geh ich mal davon aus, morgen ein wunderbares Abendessen zu haben :)

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    1. Tsss, wenn das kein Zufall ist ;)!
      Es müßte ja nicht mit rechten Dingen zugehen, sollten diese Fettuccine nicht schmecken. Nur macht bei uns die Ziegenmilch/-käse gerade Winterpause - die werde ich abwarten, bis auch ich dem Rezept einem Praxistest unterziehen werde... Vorher werde ich lesen, was du dazu meinst :)

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  4. Das Buch steht auch schon länger auf meiner Koch.Buch.Liste. Ich allerdings sammle Kochbücher. Eigentlich gehöre ich ohnehin zu den Sammlern, wenn ich mir meine Küche und meine Vorratsregale so anguck :).

    Liebe Grüße,
    Helena

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  5. Ach Micha, nun hatte ich gerade den Entschluss, dieses Buch zu kaufen ad acta gelegt - weil ich schon eine ganze Weile durchhalte mit dem Vorsatz "bloß nicht noch ein Kochbuch", denn es gibt wenige, die mich noch vom Hocker reißen. Aber wenn ich bei Dir lese....dann brauche ich es vllt doch...?!??
    LG Dani

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